documenta 3 (1964)

Aufgrund interner Unstimmigkeiten fand die dritte documenta nicht wie geplant nach vier, sondern erst nach fünf Jahren statt – was ab 1972 zum Standard werden sollte. Künstlerischer Leiter war wieder Arnold Bode, sein theoretisch orientierter Ratgeber innerhalb der mehrköpfigen Ausschüsse für Malerei und Skulptur sowie für Handzeichnung wieder Werner Haftmann. Die Abteilung „Handzeichnung“, der besondere Bedeutung zukam, wurde in der provisorisch renovieren Neuen Galerie ausgestellt, die bei der dritten documenta das erste Mal im Parcours auftaucht. 

Mit dem Festhalten an den traditionellen Kunstgattungen Malerei, Skulptur und Grafik, sowie weiterhin an der Vormachtstellung abstrakter Kunst war die documenta 3 im Vergleich zur vorherigen Ausgabe wieder weniger nah an ihrer Zeit. 1964 war in den USA die Pop Art auf dem Vormarsch, in Frankreich der Nouveau Réalisme, und in Deutschland bildete sich mit Fluxus und dem „Kapitalistischen Realismus“ eine neue Avantgarde. Aktionskunst, Happening, Konzept- und Prozesskunst waren die teils radikal innovativen neuen Gattungen. Die Leitidee des „Museums der 100 Tage“, wie die documenta nun erstmals von Bode bezeichnet wurde, lautete: „Kunst ist, was berühmte Künstler machen“ – was wohl die These von der Autonomie der Kunst untermauern sollte. So wurden weniger bestimmte Strömungen oder Tendenzen der Gegenwartskunst untersucht, als vielmehr individuelle Künstlerpersönlichkeiten präsentiert. Zwar waren zum Beispiel mit Arman, César, Yves Klein und Jean Tinguely durchaus Künstler der Nouveaux Réalistes vertreten, jedoch wurden sie nicht im Zusammenhang, sondern in ganz unterschiedlichen Kontexten in der Ausstellung präsentiert. Auch Joseph Beuys war erstmals auf der documenta vertreten – selbstverständlich nicht als Fluxus-Künstler, sondern in den Abteilungen „Handzeichnung“ und „Aspekte 64“, die der jüngeren Kunst galt – darunter auch Arbeiten von Ellsworth Kelly und Morris Louis mit Farbfeldmalerei oder Robert Rauschenberg als frühem Vertreter der (von Haftmann damals komplett missverstandenen) US-amerikanischen Pop Art.

Mit rund 200.000 Besuchern und überwiegend positiver internationaler Presse konnte die documenta 3 trotz eines etwas rückständigen Kunstverständnisses ihre „Definitionsmacht“ (so Justin Hoffmann in seinem Essay über die documenta 3) hinsichtlich der Präsentation, Dokumentation und Rezeption moderner und zeitgenössischer Kunst weiterhin behaupten und institutionalisieren.

 

Maria Giakzidou

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Athen:
8. April–16. Juli 2017

Kassel:
10. Juni–17. September 2017


Website:
http://www.documenta14.de/de/