documenta 2 (1959)

Bereits während ihrer zweiten Ausgabe hat sich die documenta als Marke etabliert. Mit der Gründung einer Trägergesellschaft, der documenta GmbH, wurde die Ausstellung institutionalisiert und sollte nun alle vier Jahre stattfinden. War die documenta von 1955 mit ihrer Revision der Avantgarde nach den „verlorenen Jahren“ des Nationalsozialismus zwangsläufig retrospektiv angelegt gewesen, wollte man nun an die Gegenwartskunst anknüpfen.

Wieder stand dem Gründer Arnold Bode der Historiker Werner Haftmann zur Seite. Die Bestandsaufnahme der Kunst nach 1945 folgte dem Motto „Die Kunst ist abstrakt geworden“, was in der damaligen fast schon moralischen Grundsatzdebatte um die Kunst der Gegenwart, in der Befürworter und Gegner abstrakter Kunst sich gerade in Deutschland erbitterte Kämpfe lieferten, keineswegs unumstritten war. Haftmann untermauerte seine These in zwei Unterabteilungen: „Die Lehrmeister der Kunst des 20. Jahrhunderts“ (hier exklusiv Wassily Kandinsky, Paul Klee und Piet Mondrian) und „Wegbereiter der Skulptur des 20. Jahrhunderts (Julio González Henri Laurens, Henri Matisse, und andere). Wenngleich auf der documenta 2 eine Reihe figürlicher Tendenzen gezeigt wurden (in der Malerei etwa mit Francis Bacon, Werner Heldt, Rudolf Hausner), postulierte Werner Haftmann mit seinem Konzept doch die These einer Kontinuität in der Entwicklung der Kunst des 20. Jahrhunderts hin zur Abstraktion – eine These, die sich angesichts der vielfältigen Erscheinungsformen in der Kunst des 20. Jahrhunderts jedoch nicht behaupten konnte.

Insgesamt wurden 1770 Exponate von 325 Künstlern und elf Künstlerinnen), vorwiegend aus Europa und den USA gezeigt. Mit 134.000 Besuchern konnte die documenta 2 noch mehr Interessenten verzeichnen als ihre Vorgängerin (die kontinuierliche Zunahme an Besuchern sollte sich bis zur vorerst letzten 13. Ausgabe 2012 fortsetzen), doch war die öffentliche Reaktion längst nicht mehr so ungebrochen positiv wie 1955, sondern stark polarisierte zwischen begeisterter Zustimmung und Ablehnung – entsprechend den Lagern der Befürworter und Gegner abstrakter Kunst.

 

Ruhezone in der Orangerie in der Karlsaue mit einer künstlerischen Position von Pablo Picasso im Hintergrund während der documenta 2, 1959
Günther Becker / © documenta Archiv

 

Friedrichsplatz mit dem Museum Fridericianum während der documenta 2, 1959
Werner Lengemann / © documenta Archiv

 

 

 

Maria Giakzidou

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Athen:
8. April–16. Juli 2017

Kassel:
10. Juni–17. September 2017


Website:
http://www.documenta14.de/de/