documenta 4 (1968)

Foto: Werner Lengemann

Die letzte hauptsächlich von Arnold Bode verantwortete 4. documenta, stand 1968 unter dem Slogan „Die jüngste documenta, die es je gab“. Ein 26-köpfiges Team sollte nun basisdemokratisch über die Künstlerauswahl entscheiden – erstmals nicht aus einer gesicherten historischen Distanz heraus, mit der auch eine latent autoritäre kunsthistorische Wertung einhergegangen wäre, sondern konsequent dem aktuell Gegenwärtigen verpflichtet, also den vier Jahren seit der letzten documenta.

Viele Kunstwerke entstanden erst kurz vor Eröffnung der Ausstellung oder wurden sogar speziell für sie produziert – ein Trend, der sich fortsetzen sollte. Nun, 1968, hielt etwas verspätet die Pop Art im großen Stil in Kassel Einzug, ebenso wie Color Field Painting, Post-Painterly Abstraction, Op Art und Minimal Art. Imposant über zwei Stockwerke im Treppenhaus der Rotunde inszeniert, ging James Rosenquists Fire Slide (1967) in das Bildgedächtnis der documenta 4 ein. Den Slogan „Seize matters“ bestätigten schon im Titel auch Roy Lichtensteins Big Modern Painting (1967), Tom Wesselmanns Great American Nude No. 98 (1968) und Robert Indianas The Great Love (1966) im Hauptsaal des Fridericianums sowie Claes Oldenburgs Giant Poolballs (1967) in der Galerie an der Schönen Aussicht. Insgesamt bestimmte die Kunst aus den USA mit 51 Künstlern ungefähr ein Drittel der gesamten Ausstellung, was der documenta 4 den Beinamen „Americana“ eintrug.

Im Außenraum wagte sich die documenta mit Skulpturen zum ersten Mal hinaus auf die Karlswiese, die weitläufig bespielt wurde – vornehmlich mit eher traditionellen, semi-abstrakten Skulpturen. Besonders eindrücklich blieb hier Christos (Jeanne-Claude wurde damals noch nicht als Mitautorin genannt) Luftkissen 5600 Cubicmeter Package (1968) in Erinnerung, das immerhin den Ansatz eines neues Skulpturbegriffs einführte.

 

Ein Novum mit gesellschaftspolitischem Anspruch war die Besucherschule von Bazon Brock, in der er mit seiner Technik des „Action Teaching“ die sich verändernden Realitätsbezüge in der zeitgenössischen Kunst einem breiten Publikum verständlich machen wollte. Mit seinem performativ-didaktischen Akt der Kunstvermittlung prägte Brock nachhaltig den Vermittlungsanspruch der folgenden documenta-Ausstellungen.



Foto: Werner Lengemann

Maria Giakzidou

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Athen:
8. April–16. Juli 2017

Kassel:
10. Juni–17. September 2017


Website:
http://www.documenta14.de/de/






Foto: Werner Lengemann