Deutsch-Griechisches Business-Forum

11.04.16 AHK Griechenland - News-Hauptkategorie, Nachrichten aus Athen

Giorgos Stathakis, griechischer Wirtschaftsminister: Griechenland braucht langfristige Investitionen   Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt Griechenland auch in Zukunft bei der Förderung des Erneuerbaren-Energie- und IT-Sektors   Louka Katseli, Vorsitzende des Griechischen Bankenverbands: Die fünf Voraussetzungen, damit die Banken die Realwirtschaft unterstützen können   Alvaro Pereira, OECD-Vertreter: Die Liberalisierung der Gütermärkte wird das griechische BIP um 13,5 % stärken

Die fünf Voraussetzungen, mittels derer das griechische Bankensystem nach seiner erfolgreichen Rekapitalisierung die Entwicklung des Landes fördern sowie die Gewährung neuer Finanzierungen für das Unternehmertum und insbesondere KMU  unterstützen kann, bildeten den Gegenstand des Vortrags der Vorsitzenden des Griechischen Bankenverbands, Louka Katseli, beim Deutsch-Griechischen Business-Forum zum Thema griechische Innovation und die Rolle von Start-up-Unternehmen, mit dem Ziel Griechenland wieder zu Wachstum zu verhelfen.

Die vollständige Liberalisierung der Märkte würde das BIP Griechenlands um 13,5 % stärken, so der Direktor für Studien der Mitgliedstaaten der Wirtschaftsabteilung der OECD, Alvaro Pereira. Der griechische Wirtschaftsminister, Giorgos Stathakis, der dem Forum ebenfalls beiwohnte, unterstrich, dass der Abschluss der Überprüfung in Verbindung mit dem Vorantreiben der Reformen der griechischen Wirtschaft neuen Schwung verleihen würde. Die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, nannte die Märkte, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, in Griechenland zu unterstützen beabsichtigte.

Erste Voraussetzung, um die Realwirtschaft durch die Banken zu stärken, sei, so Katseli, die Notwendigkeit von politischer und wirtschaftlicher Stabilität für das Land. „Das Bankensystem ist nicht nur in Griechenland, sondern auch auf internationaler Ebene, keineswegs von der wirtschaftlichen und politischen Umgebung isoliert. Der erfolgreiche Abschluss der ersten Überprüfung des griechischen Programms durch die Gläubiger ist der erste grundlegende Parameter zum Aufbau eines Vertrauensverhältnisses und zum Abbau von Ungewissheit”, so Louka Katseli.

Als zweite Voraussetzung nannte sie die Stabilisierung des Finanzsystems, um wieder zur Rückkehr der Bankeinlagen zu ermutigen.

Die Vorsitzende des Griechischen Bankenverbands sprach außerdem das Thema eines effizienten Umgangs mit notleidenden Krediten an und insbesondere der Unternehmenportfolios der Banken und unterstrich die Investitionsmöglichkeiten, die sich eröffneten, sofern neue innovative Finanzierungsinstrumente geschaffen würden, um die Geldkosten, vor allem für KMU, einzuschränken; weiterhin bezog sie sich auf Verbesserungsmaßnahmen, die im Rahmen der Corporate Governance des Bankensektors vorgenommen werden. Als letzte Voraussetzung nannte sie die Notwendigkeit eines umfassenden Rebranding des griechischen Finanzsystems.

Im Rahmen des Deutsch-Griechischen Business-Forum, das am 5. April von Economist Events in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer unter der Schirmherrschaft des griechischen Ministeriums für Wirtschaft, Entwicklung und Tourismus und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie durch Unterstützung des Bunds der Deutschen Industrie (BDI), des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) sowie von Enterprise Greece Invest & Trade in Berlin veranstaltet wurde, wiesen sowohl Pereira als auch der griechische Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis auf bisher erfolgreich umgesetzte Reformziele hin. Pereira unterstrich, dass trotz der Tatsache, dass sich das Land in Bezug auf die Öffnung des Arbeitsmarktes und die Realisierung struktureller Einschnitte richtig verhalten habe, noch immer konkrete Verzögerungen in Bezug auf die Öffnung der Gütermärkte bestünden.
Stathakis betonte, nach einer Analyse der Reformen, die Griechenland in den letzten Monaten in wichtigen Bereichen auf den Weg gebracht hat, dass keine andere griechische Regierung so viele Reformen umgesetzt habe wie diese. Weiterhin wies er darauf hin, dass es das Ziel der Regierung sei, durch die Umstrukturierung der Wirtschaft vor allem langfristige und keine kurzfristigen Investitionsvorhaben anzuziehen, da Letztere zwar vorübergehend hohe Gewinne einbrächten, langfristig jedoch die Produktionsgrundlage der nationalen Wirtschaft untergraben würden.

Die Absicht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die Unterstützung Griechenlands im Bereich der Erneuerbaren Energien, der Finanzierung von KMU, durch die „Institution for Growth”, und der Förderung des Exportgeschäfts fortzusetzen, brachte Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, ihrerseits in ihrem Vortrag zum Ausdruck. Zypries unterstrich, dass Griechenland seine Reformen weiterhin umsetzen müsse, da man nur mit den notwendigen Anstregungen zu Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zurückkehren könne.

„Griechenland ist bei den Reformen Spitzenreiter”, so Theodoros Fessas, Vorsitzender des Verbands der Griechischen Industrie im Rahmen des Deutsch-Griechischen Forums, um unmittelbar danach jedoch anzuschließen: „Dennoch bleibt das Ergebnis aus, da die Institutionen in Griechenland zu schwach sind.” Weiterhin berief er sich auf Angaben, nach denen Griechenland in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit bei den Indices internationaler Organisationen wie der OECD und des IWF immer noch in den unteren Bereichen rangiere, während er sich gleichzeitig auch auf die wachstumshemmende Dimension des Steuersystems und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten bezog. „3 % der Haushalte bezahlen 42 % der Steuern“, so unterstrich er. Unter Berufung auf den internationalen Investor Prem Watsa fügte er hinzu, dass Griechenland durchaus über die Möglichkeiten und die personellen Kapazitäten - insbesondere in Bezug auf Führungskräfte - verfüge, um förmlich „abzuheben”. Weiterhin wies er auf die Bedeutung der Realisierung des Privatisierungsprogramms unter stabilen Rahmenbedingungen hin und unterstrich, dass die Liberalisierung von zwei Monopolen in den vergangenen Jahren wie beispielsweise die im Bereich der Telekommunikation über den Verkauf der Telefongesellschaft OTE und der Hafenorganisation Piräus an die Firma Cosco gezeigt hätten, dass Privatisierungen der griechischen Wirtschaft durchaus neue Impulse verleihen können.

Zu den bisher durchgeführten Maßnahmen zur Anziehung von Investitionen äußerte sich der stellvertretende griechische Außenminister Dimitris Mardas. Dieser wies darauf hin, dass Griechenland einen regelrechten Wachstumsschock mit Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Euro über einen Zeitraum von sieben Jahren benötige. In diesem Zusammenhang benannte er auch die Wirtschaftsbereiche, an denen ein erhebliches Interesse besteht, nämlich den Tourismus, das Transportwesen und insbesondere die Häfen und die Versorgungskette. Mardas unterstrich dabei nachdrücklich, dass die geostrategische Position des Landes Investoren dabei einen wichtigen komparativen Vorteil verschaffe.

Der Vorsitzende des Deutschen Bunds der Industrie (BDI), Ulrich Grillo, hob hervor, dass die Anziehung von Investitionen für die Zukunft Griechenlands von entscheidender Bedeutung sei, erinnerte jedoch auch daran, dass diese Investitionen nur getätigt werden würden, wenn seitens der Investoren auch das nötige Vertrauen bestehe. „Zu den Zielen der Politik gehört es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Griechenland hat in Bezug auf die Reformen und seine Haushaltssanierung bereits viel erreicht, aber noch viel zu tun” so Grillo. Während er außerdem hinzufügte: „Die griechische Regierung muss die geeigneten Voraussetzungen für die Wirtschaft schaffen wie beispielsweise einen zuverlässigen finanziellen und rechtsregulierenden Rahmen, eine effektive Verwaltung sowie positive Finanzierungsvoraussetzungen. Nur so kann sich die Wirtschaft entwickeln.”
Dr. Volker Treier, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) äußerte, dass in Griechenland noch immer viel getan werden müsse; gleichzeitig unterstrich er die Notwendigkeit, ein stabiles steuerliches und rechtliches Umfeld zu schaffen.

Der Präsident der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer Michalis Maillis betonte in seiner Rede, dass Griechenland nach einer siebenjährigen Rezession dringend wieder zu neuem Aufschwung verholfen werden müsse, da die Probleme nur so endgültig gelöst werden können. In der Folge wies Maillis auf die Notwendigkeit hin, die Überprüfung sobald wie möglich zum Abschluss zu bringen und die strukturellen Reformen umgehend zu realisieren. „Wichtig ist es vor allem, Investitionen aus dem Ausland anzuziehen und daher auch alle bekannten Hindernisse zu beseitigen und so schnell wie möglich ein investitionsfreundliches Klima zu schaffen. Eine grundlegende Voraussetzung und absolute Notwendigkeit stellt die Rationalisierung des Steuerwesens dar, das endlich gerecht, stabil und wettbewerbsfähig werden muss”, so Maillis.
Hubert Cottogni vom EIF beschrieb die Finanzierungsinstrumente, die der Fonds KMU anbietet, um deren Liquidität zu erleichtern und das Investitionsumfeld zu verbessern.

Dr. Benno Bunse, Präsident und Geschäftsführer von Germany Trade & Invest (GTAI) unterstrich die Bedeutung Griechenlands als einen der größten Handelspartner Deutschlands und wies gleichzeitig darauf hin, dass die Ausfuhren durchaus noch aufgewertet werden könnten. Zum Ende seiner Rede betonte er, dass Investitionen griechischer Unternehmen nicht nur Deutschland nützten, sondern auch der Internationalisierung, der Wettbewerbsfähigkeit und der Entwicklung der griechischen Wirtschaft dienten.

Velissarios Dotsis, Geschäftsführer von Enterprise Greece Invest & Trade betonte, die schwerwiegende Bedeutung der Realisierung der institutionellen Reformen, um die Hindernisse, mit denen das Unternehmertum heute zu kämpfen hat, zu beseitigen. Gleichzeitig bezog er sich auch auf eine neue Regelung für Investitionsanreize und die Schaffung einer Bank für Entwicklung, insbesondere für KMU.

Grigorios Stergioulis, Geschäftsführer der ELPE, bezog sich auf die neuen Gegebenheiten auf internationaler Ebene. „Die Etablierung Asiens als starkes Wirtschaftszentrum, in dem sich ein großer Teil des internationalen Reichtums konzentriert, schafft neue Herausforderungen.” so Stergioulis. Weiterhin äußerte er, dass „2020 Indien und China 20 % des internationalen BIP ausmachen werden, während auf die USA 15 % entfallen und im Jahr 1990 die Prozentsätze respektive noch bei 8,5 % und 22 % lagen.” Gleichzeitig führte er an, dass es im Jahr 2016 zu großen geopolitischen Themen kommen würde, die die finanziellen Probleme in den Hintergrund treten ließen und, dass die Risiken für die Märkte hauptsächlich auf geopolitische Faktoren, und nicht auf finanzielle Faktoren zurückzuführen seien.

Paris Kokorotsikos, Professor an der Internationalen Universität von Thessaloniki und Präsident des Unternehmens Euroconsultants bezog sich auf die Wirtschaftsperspektiven von Makedonien. „Es handelt sich hier um die zweitgrößte Region Griechenlands, die nach der Volkszählung von 2011 eine Bevölkerung von 1,9 Millionen zählt. Thessaloniki ist die einzige Stadt in der EU, in der 25 % der Bevölkerung im Stadtzentrum unter 25 Jahren alt ist. In der Stadt leben 100.000 Studenten, während es im Vergleich zum Gemeinschaftsdurchschnitt dort gleichzeitig dreimal so viele Absolventen Polytechnischer Hochschulen gibt”, so Kokorotsikos. Wie er äußerte, bedürfe es jedoch der Koordination von Maßnahmen, um direkte Ergebnisse zu erzielen und die Region und die Stadt für Griechenland und die umliegenden Regionen zu einem Zentrum der Innovation zu machen.

Giorgos Tziallas, Generalsekretär für Tourismuspolitik und Entwicklung bezog sich in seiner Rede auf die Bedeutung des Tourismus für die griechische Wirtschaft. Wie er ausführte, bestehe auch 2016 ein erhöhtes Interesse an neuen Investitionen im Bereich des Tourismus trotz der wirtschaftlichen Lage in Griechenland in den letzten Jahren. „Die großen Investmentfonds, vor allem aus Europa, den USA und dem Mittleren Osten sowie internationale Investoren suchen nach konkreten Investitionsmöglichkeiten im Bereich des Tourismus und in der Immobilienbranche. Etwa die Hälfte der Projekte, die aktuell realisiert werden, wird durch ausländische Unternehmen finanziert und die meisten spiegeln eine Verlagerung der Nachfrage nach einer komplexen und umfassenden Entwicklung in Urlaubsregionen wider”, unterstrich er.

Schließlich wies Dr. Heinrich Kirschbaum, Vorstandsmitglied des Deutschen Startup-Verbands auf die Bedeutung von Startup-Unternehmen und Innovation für die Entwicklung hin, während er gleichzeitig die Zuversicht äußerte, dass die griechische Wirtschaft wieder auf die Beine kommen würde.


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